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Dr. Sebastian Korts, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- & Gesellschaftsrecht, Steuerstrafverteidiger, Master of Business Administration, Master of International Taxation
Der Gesellschaftsvertrag einer deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) unterliegt zwingend dem deutschen Form- und Gesellschaftsrecht. Nach § 2 Abs. 1 GmbHG bedarf der Gesellschaftsvertrag der notariellen Beurkundung. Diese notarielle Beurkundung erfolgt nach deutschem Recht ausschließlich in deutscher Sprache.
Die notarielle Urkunde wird gemäß §§ 16, 17 BeurkG in deutscher Sprache errichtet; nur diese Niederschrift stellt die öffentliche Urkunde dar und entfaltet Beweiswirkung nach § 415 ZPO. Auf dieser deutschen Urkunde beruht auch allein die Anmeldung und Eintragung der Gesellschaft in das Handelsregister (§§ 7, 8 GmbHG). Registergerichte prüfen und verwenden ausschließlich den deutschen Urkundstext.
Vor diesem rechtlichen Hintergrund kann eine englischsprachige Fassung des Gesellschaftsvertrags keine eigenständige rechtliche Qualität entfalten. Sie ist rechtlich als bloße Übersetzung bzw. Parallelfassung einzuordnen und dient lediglich der Information nicht deutschsprachiger Beteiligter. Sie ist weder Grundlage der Registereintragung noch selbst Gegenstand der notariellen Beurkundung im rechtlichen Sinne.
Selbst wenn beide Sprachfassungen physisch Bestandteil derselben Urkunde sind, bleibt die deutsche Fassung maßgeblich. Dies folgt aus dem Umstand, dass allein der deutsche Text den Anforderungen des deutschen Formrechts genügt und allein dieser Text für staatliche Stellen (Notar, Registergericht, Gerichte, Finanzverwaltung) verbindlich ist.
Zur Vermeidung von Auslegungs- und Haftungsrisiken enthalten zweisprachige GmbH-Gesellschaftsverträge in der deutschen Praxis regelmäßig eine ausdrückliche Sprachvorrangregelung, wonach im Falle von Abweichungen oder Auslegungsunterschieden ausschließlich die deutsche Fassung maßgeblich ist. Eine abweichende Regelung zugunsten der englischen Fassung wird in der notariellen Praxis regelmäßig abgelehnt oder nur unter erheblichen Vorbehalten akzeptiert, da sie mit den zwingenden Vorgaben des deutschen Beurkundungs- und Registerrechts nicht vereinbar ist.
Zusammenfassend ergibt sich der Vorrang der deutschen Fassung nicht nur aus einer vertraglichen Klarstellung, sondern bereits aus den zwingenden strukturellen Vorgaben des deutschen GmbH- und Beurkundungsrechts. Die englische Fassung kann daher rechtlich nur informatorischen Charakter haben und ist für die Bestimmung und Auslegung der Gesellschafterrechte und -pflichten nicht maßgeblich.
Deshalb:
„Dieser Gesellschaftsvertrag wird in deutscher und englischer Sprache errichtet.
Die englische Fassung stellt lediglich eine Übersetzung dar und dient ausschließlich der besseren Verständlichkeit für nicht deutschsprachige Gesellschafter.
Im Falle von Abweichungen, Unklarheiten oder Auslegungsunterschieden zwischen den Sprachfassungen ist ausschließlich die deutsche Fassung maßgeblich.
Rechte und Pflichten der Gesellschafter bestimmen sich allein nach dem deutschen Text.“
English Translation (legally reasoned)
The articles of association of a German limited liability company (Gesellschaft mit beschränkter Haftung – GmbH) are subject to mandatory German company and form law. Pursuant to section 2(1) of the German Limited Liability Companies Act (GmbHG), the articles of association must be notarised. Under German law, notarisation is required to be carried out exclusively in the German language.
In accordance with sections 16 and 17 of the German Notarial Act (Beurkundungsgesetz), the notarial deed is drawn up in German. Only this German text constitutes the public deed and has evidentiary effect pursuant to section 415 of the German Code of Civil Procedure (ZPO). The German text alone forms the basis for the filing and registration of the company with the commercial register (sections 7 and 8 GmbHG). Commercial register courts examine and rely exclusively on the German version.
Against this legal background, an English-language version of the articles of association cannot have independent legal status. From a legal perspective, it qualifies merely as a translation or parallel version provided for the convenience of non-German-speaking parties. It is neither the basis for the commercial register filing nor, in a legal sense, the subject of notarisation.
Even where both language versions are physically contained in the same document, the German version remains authoritative. This follows from the fact that only the German text satisfies the mandatory requirements of German form law and only that text is binding on public authorities, including notaries, commercial register courts, civil courts and tax authorities.
For this reason, bilingual articles of association of a GmbH in German practice regularly contain an explicit language precedence clause stating that, in the event of discrepancies or differences in interpretation, the German version shall prevail. Any attempt to grant precedence to the English version is, in notarial practice, typically rejected or accepted only subject to significant reservations, as it conflicts with the mandatory framework of German notarisation and registration law.
Accordingly, the precedence of the German version does not arise merely from contractual agreement but already follows from the mandatory structural requirements of German GmbH and notarisation law. The English version can therefore only have an informational function and is not authoritative for determining or interpreting the rights and obligations of the shareholders.