Dienstwagen trotz Privatnutzungsverbot: BFH hält an Anscheinsbeweis bei Gesellschafter-Geschäftsführern fest (I R 33/23)
BFH hält an strengerer vGA-Rechtsprechung fest – mögliche Divergenz zum VI. Senat: Kann die private Nutzung eines betrieblichen Pkw durch einen Allein-Gesellschafter-Geschäftsführer auch dann als verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) behandelt werden, wenn der Geschäftsführervertrag eine Privatnutzung ausdrücklich untersagt? Der I. Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) beantwortet diese Frage weiterhin mit Ja.
Zypern Ltd. und verdeckte Gewinnausschüttung (BFH, I R 57/23)
Zypern Ltd.: Der Bundesfinanzhof (BFH) hat mit Urteil vom 24. Juni 2026 (I R 57/23) die abkommensrechtlichen Grenzen der deutschen vGA-Rechtsprechung präzisiert. Danach kann Art. 9 Abs. 1 DBA-Zypern 2011 die Anwendung der nationalen Sonderbedingungen für beherrschende Gesellschafter beim formellen Fremdvergleich sperren.
Scheidung mit Steuerfalle: Immobilienübertragung kann Spekulationssteuer auslösen (FG Münster, 8 K 901/23 E)
FG Münster zu § 23 EStG bei Zugewinnausgleich: Das Finanzgericht Münster hat mit Urteil vom 18.06.2026 entschieden, dass die Übertragung von Miteigentumsanteilen an Immobilien im Zusammenhang mit einer Scheidung ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft nach § 23 EStG sein kann.
900.000 Euro Steuerhinterziehung—auch der angestellte Gehilfe haftet (FG Düss, 4 K 1531/25 H)
Haftung nicht nur für Haupttäter: Das Finanzgericht Düsseldorf hat mit Urteil vom 14.07.2026 eine wichtige Entscheidung zur Haftung bei Steuerhinterziehung getroffen. Der Fall zeigt deutlich: Für hinterzogene Steuern kann nicht nur der Haupttäter oder Geschäftsführer in Anspruch genommen werden. Auch ein angestellter Mitarbeiter, der „nur“ Beihilfe geleistet hat, kann nach § 71 AO persönlich haften.
Schenkungsteuer als AfA? FG Köln sagt klar: Nein (2 K 2116/23)
Keine steuerliche „Nachverwertung“ der Schenkungsteuer: Wer vermietete Immobilien geschenkt bekommt, kann die Gebäudeabschreibung grundsätzlich bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geltend machen. In der Praxis stellt sich dabei immer wieder die Frage, welche Kosten in die AfA-Bemessungsgrundlage einbezogen werden dürfen.
Airbnb im Visier: Neue Plattformdaten erhöhen das Risiko von Steuerstrafverfahren
Kurzzeitvermietung wird für Behörden sichtbar: Seit dem 20.05.2026 gilt die neue europäische Kurzzeitvermietungs-Verordnung unmittelbar in allen EU-Mitgliedstaaten. Ziel ist ein europaweit einheitlicher digitaler Datenaustausch zwischen Online-Plattformen für Kurzzeitvermietungen und öffentlichen Stellen. In Deutschland übernimmt die Bundesnetzagentur zentrale Aufgaben. Sie betreibt den sogenannten Single Digital Entry Point, also eine digitale Datendrehscheibe für Daten aus der Kurzzeitvermietung.
Kindergeld trotz Rettungssanitäter-Ausbildung: BFH zieht Grenze bei Kurzausbildungen (III R 7/24)
Rettungssanitäter-Ausbildung verbraucht die Erstausbildung nicht: Man denkt es nicht, aber die Ausbildung zum Rettungssanitäter ist im Kindergeldrecht immer wieder streitanfällig. Der Bundesfinanzhof hat nun mit Urteil vom 22.04.2026 eine wichtige Grundsatzentscheidung getroffen. Danach führt eine 520 Stunden umfassende Ausbildung zur Rettungssanitäterin mit Abschlussprüfung noch nicht zum Abschluss einer erstmaligen Berufsausbildung im Sinne des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG.
EuGH stärkt anwaltliches Berufsgeheimnis: Steuerberatung ist nicht schutzlos (C-423/23)
Wichtige Entscheidung für Rechtsanwälte und Mandanten: Der Europäische Gerichtshof hat mit Urteil vom 26.09.2024 eine für Rechtsanwälte und Mandanten sehr bedeutsame Entscheidung getroffen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die Vertraulichkeit der Kommunikation zwischen Rechtsanwalt und Mandant auch dann geschützt ist, wenn es nicht um Strafverteidigung oder Prozessvertretung geht, sondern um gesellschaftsrechtliche und steuerrechtliche Beratung.
Kein Vergnügen im Treppenhaus: Stadt Köln scheitert mit Vergnügungssteuer (OVG Münster, 14 A 169/25)
Treppenhaus zählt nicht automatisch zur Veranstaltungsfläche: Das Oberverwaltungsgericht Nordrhein-Westfalen hat mit Beschluss vom 15.07.2026 eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln zur Kölner Vergnügungssteuer bestätigt. In einem zur Prostitution genutzten Apartmentgebäude dürfen Treppenhausflächen nicht ohne Weiteres in die Berechnung der Vergnügungssteuer einbezogen werden.
Steuerrückstände und Gewerbezulassung: Wer seine Steuern nicht zahlt, riskiert seine Erlaubnis (VG Würzburg, W 6 K 25.1407)
Erhebliche Steuerschulden können zur Unzuverlässigkeit führen: Steuerrückstände sind nicht nur ein Problem im Verhältnis zum Finanzamt. Sie können auch berufs- und gewerberechtliche Folgen haben. Das zeigt eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Würzburg vom 18.03.2026. Das Gericht bestätigte den Widerruf einer Apothekenbetriebserlaubnis wegen Unzuverlässigkeit.